Prophet Muhammad - Zugänge im IRU
„Barmherzigkeit für die Weltenbewohner“ (Koran 21:107), „schönes Vorbild“ (Koran 33:21) und „wandelnder Koran“ (Aussage von Aisha bint Abu Bakr). Drei viel zitierte Aspekte zur Persönlichkeit des Propheten Muhammad, die seine außerordentliche Bedeutung für Musliminnen und Muslime widerspiegeln. Entsprechende Präsenz genießt der Prophet Muhammad im Islamischen Religionsunterricht.
In die heutige Lebenswirklichkeit übertragen….
Die Sira-Literatur beschäftigt sich mit seiner Biografie. Hadith-Sammlungen dokumentieren, was er in seiner Rolle als Prophet gesagt, getan oder auch gebilligt hat. Diese Textquellen werden also im IRU immer wieder herangezogen – und dabei immer reflektiert, wie sie in Bezug auf die heutige Lebenswirklichkeit zu kontextualisieren sind. Dies kann ganz niederschwellig geschehen, indem die Schülerinnen und Schüler immer wieder zur Selbstreflexion angeregt werden. Als Beispiel unten die Methode "Tastsack".
Die Schahada, das Glaubensbekenntnis im Islam nennt Prophet Muhammad explizit als den letzten Gesandten des Einen, Einzigen und Einzigarten Gottes und somit Überbringer der göttlichen Botschaft, des Korans. Die innige emotionale Beziehung zeigt sich im Symbol der Rose, mit dem der Prophet Muhammad bei Muslimen assoziiert wird. Wie bei der Erwähnung aller Prophetennamen von Adam über Musa (Moses) und Isa (Jesus), um nur einige zu nennen, wird ein Friedensgruß (alaihi salam) respektvoll beigefügt.
Unten finden sich einige Dateien als mögliche weitere Anregung, auch für den Unterricht.
1.500. Geburtstag
Heuer wird der 1.500 Geburtstag des Propheten Muhammad begangen. Geburtstag zu feiern ist im muslimischen Kontext kulturell eher wenig verbreitet. Das mag eine Erklärung dafür sein, warum dies wenig öffentliches Aufsehen mit sich bringt. Freilich spielt hier auch ein zweiter Aspekt mit hinein: Der zentrale Glaubensgrundsatz für Musliminnen und Muslime ist die Verinnerlichung der Einheit, Einzigkeit und Einzigartigkeit Gottes, Allahs. Also muss dies im Mittelpunkt stehen. Und nichts soll davon möglicherweise ablenken. Dies ist auch der Grund dafür, dass Musliminnen und Muslime nicht als „Mohammedaner“ bezeichnet werden wollen. Freilich spricht nichts gegen ein spezielles Gedenken, auch in einem feierlichen Rahmen. Dies hat in der islamischen Kulturgeschichte Tradition (siehe auch den Artikel von Ermin Sehic).
Unterschiede in Außensicht und Innenwahrnehmung auf den Propheten
Geht es um den Islam, so klaffen Außensicht und Innenwahrnehmung häufig auseinander. In Österreich wird dies bei so mancher aufgeheizten Debatte aktuell besonders spürbar. Historisch betrachtet ist dies nichts Neues. Gerade um die Persönlichkeit des Propheten Muhammad bildeten sich schon früh Polemiken. Gesucht wurde mit derartigen Zerrbildern – sei es in der Kreuzzugszeit, in der frühen Neuzeit oder in der jüngeren Geschichte – eine Folie der Abgrenzung. Der IRU ist ein Ort, wo Jugendliche höherer Schulstufen auch diese Hintergründe kennenlernen. Am Beispiel des Propheten selbst, der bei persönlichen Anfeindungen immer einen kühlen Kopf behielt und andere mahnte, sich nicht provozieren zu lassen, üben sie einen konstruktiven Umgang für derartige Fälle ein. Siehe dazu den Artikel von Benjamin Idriz mit ergänzenden Fragen für das Unterrichtsgespräch.
Faszination für den Propheten in der europäischen Kulturgeschichte
Gleichzeitig finden sich europäische Geistesgrößen, die ihrer Faszination für den Propheten Muhammad Ausdruck gegeben haben. In der Kunst legen davon unter anderem Werke der Poesie Zeugnis ab. Für Musliminnen und Muslime ist es dann ein spannendes Erlebnis, wie in diesen Worten sich spirituelle Erfahrungen in Sprache verdichten, ohne dass die Autoren eine islamische theologische Ausbildung genossen hätten. Ihre Rezeption verrät somit eine Einsicht, die wiederum befruchtend für die eigene Auseinandersetzung sein kann. Dies bietet sich gerade im IRU an, wo Schülerinnen und Schüler ihnen aus anderen Gegenständen vertraute Namen auf einmal auf neue Weise entdecken – und Brücken zwischen den Kulturen sich auftun.
Rainer Maria Rilke und Spuren seiner Wertschätzung für den Islam
Im Rilke-Jahr sei dieser große österreichische Dichter (1875 bis 1926) als mögliche Inspirationsquelle im IRU genannt. Rainer Maria Rilke war wiederum von Johann Wolfgang von Goethe inspiriert, in dessen Werk sich tiefe Einflüsse seines großen Interesses und Bewunderung für den Islam und muslimische Kultur finden.
Rilke sagte: „Das Wort muss Mensch werden. Darin liegt das Geheimnis der Welt“ (Brief an Clara Rilke, 29.07.1904) Damit bezog er sich auf den Propheten Muhammad. Darüber lässt sich lange weitersinnen. Es erinnert daran, dass Gott über ihn den Koran in die Welt sandte. Und er gleichzeitig in seinem Leben ethische Ansprüche des Korans gleichnishaft umsetzte. Glauben und Handeln gehören zusammen.
Rilke verdichtete den Moment der ersten Offenbarung an den Propheten Muhammad wie folgt:
Mohammeds Berufung
Da aber als in sein Versteck der Hohe,
sofort Erkennbare: der Engel, trat,
aufrecht, der lautere und lichterlohe:
da tat er allen Anspruch ab und batbleiben zu dürfen der von seinen Reisen
innen verwirrte Kaufmann, der er war;
er hatte nie gelesen - und nun gar
ein solches Wort, zu viel für einen Weisen.Der Engel aber, herrisch, wies und wies
ihm, was geschrieben stand auf seinem Blatte,
und gab nicht nach und wollte wieder: Lies.Da las er: so, dass sich der Engel bog.
Und war schon einer, der gelesen hatte
und konnte und gehorchte und vollzog.
Rainer Maria Rilke, zwischen dem 22.8. und 5.9.1907, Paris
Lesestoff
Mawlid als hingebungsvolles Erinnern des Propheten Muhammad - Ursprung, Geschichte und heutige Praxis in Wien
Provokationen und der Umgang des Propheten damit
Tastsackerl Sira Begreifen